Edition Frida: «Es war anstrengend, nervenaufreibend, aber letztendlich grossartig.»

Brigitte und Mathias von Edition Frida sind mit zwei erfolgreichen Kampagnen echte Crowdfunding-Profis. Die erste Kampagne war der Startschuss für das Online-Kulturmagazin Frida, die zweite Kampagne war das einzigartige Buchprojekt Lemusa. Im Interview erzählen die beiden von Momenten der Spannung, ihren Tipps für Initiant*innen und dem grossen «Uffff!» zum Schluss.

1. Euer Gefühl, wenn ihr an eure beiden wemakeit-Kampagnen zurückdenkt, in einem Satz.

Es war jedes Mal crazy, anstrengend, nervenaufreibend, aber letztendlich grossartig und lohnenswert. 

2. 2021 habt ihr mit eurer ersten Kampagne knapp CHF 90’000 von Unterstützer*innen erhalten und das Online-Kulturmagazin «FRIDA» gegründet. Wieso habt ihr euch damals für Crowdfunding entschieden? 

Das grosse Vorbild war natürlich die Kampagne der «Republik», wobei wir aber nie so gross einsteigen wollten. Das Crowdfunding war für uns auch ein Test, ob wir überhaupt auf Resonanz stossen, ob das Projekt überhaupt interessiert. Hätten weniger als 500 Personen darauf reagiert, wären wir mit FRIDA gar nie an den Start gegangen. Aber es hat geklappt, 627 Menschen haben die Idee in der Kampagne unterstützt, bis zum Start des Magazins ein halbes Jahr später waren es dann fast 900. Was auch bedeutet, dass die Kampagne eine grosse Werbewirkung hatte.

3. Wie lange und umfassend habt ihr die Crowdfunding-Kampagne geplant?

Die Kampagne hatte etwa sechs Monate Vorlauf und wir haben dafür auch mit einer Agentur zusammengearbeitet. Neben der Entwicklung von Kommunikations-Tools wie Videos, Reels, Texten etc. stand auch die Erarbeitung einer grossen Adresskartei im Vordergrund. Zudem haben wir für die Kampagne die Unterstützung von 25 Kulturinstitutionen und von zahlreichen Künstler:innen im Vorfeld organisiert. Auch in Bezug auf die Belohnungen waren wir bedacht, ein möglichst breites und interessantes Netzwerk zu stricken. Denn auch diese Partner sind letztendlich Multiplikatoren.

4. Wann habt ihr realisiert, dass das Projekt ein Erfolg wird?

Nach den ersten zehn Tagen zeichnete sich ab, dass es möglich sein könnte. Der wirkliche Erfolg stellte sich aber erst in den letzten sieben Tagen ein.

5. Im Jahr 2025 habt ihr dann ein zweites Crowdfunding gestartet: Lemusa. Ein einzigartiges Projekt, das ebenfalls erfolgreich abschloss. Mit der Erfahrung der ersten Kampagne im Gepäck: Was ist bei der Durchführung eines zweiten Crowfdundings anders?

Wir waren natürlich schon gewappnet und konnten auf alle Kommunikationskanäle der Edition Frida zurückgreifen. Auch bei «Lemusa» war es eine Art Markttest. Hätte niemand reagiert, hätten wir die Bücher auch nicht wie geplant gedruckt.  

6. Was ist der grösste Unterschied, eine Kampagne mit Zielsumme CHF 70’000 («FRIDA») vs. CHF 27’000 (Lemusa) zu führen?

Je höher die Summe, umso mehr Aufwand und Energie braucht es. Beim Magazin ging es ums Ganze, will sagen, um die Gründung eines neuen Unternehmens. Bei «Lemusa» war der mentale Druck in diesem Sinne weniger gross. In keinem Fall aber ist eine Crowdfunding-Kampagne ein Selbstläufer. Interessant ist auch: Letztendlich braucht es eine Fan-Base. In beiden Kampagnen waren es zu 75 Prozent Unterstützer:innen, die aus unserem näheren und weiteren Umfeld kamen.

7. Was waren die besten Reaktionen auf eure beiden wemakeit-Kampagnen?

Am besten sind Statements, z.B. von Künstler:innen, die man wiederum in die Kampagne einbauen kann. Aber am eindrücklichsten war schon, dass bei der Magazin-Kampagne gleich acht Leute ein Lebenslang-Abo für 1000 Franken gekauft haben.

8. Was war der spannendste Moment der beiden wemakeit-Kampagnen?

Der spannendste Moment ist immer die letzte Woche. Man weiss: Das Ziel ist erreichbar, weil noch nicht alle auf die Kampagne reagiert haben. Deshalb brauchte es in diesem Moment Nerven wie Stahlseile, und zwar bei uns, aber auch bei der Crowd. Denn in den letzten Tagen musst Du den Nerv haben, alle nochmals mit mehreren Aufrufen zu nerven. Am Ende kommt dann das grosse «Uffff!».

9. Euer ultimativer Tipp für neue Projektinitiant*innen?

Seid mutig, aber nicht blauäugig. Ihr müsst bereits im Vorfeld wissen, welche Menschen die 75 Prozent ausmachen, die Eure Kampagne tragen könnten. Und ihr müsst diese Kontakte bereits haben und sie dann auf möglichst vielen Kanälen laufend bespielen, also per Mail, Social Media, WhatsApp und auch mit der guten alten Post. Und ihr braucht viele Menschen, die eure Botschaft teilen.

10. Letzte Frage: Würdet ihr wieder ein Crowdfunding machen?

Nach jeder Kampagne sagen wir: Nie wieder! Aber eben: Sag niemals nie.

Zur Edition Frida: Edition Frida wurde 2018 von Brigitte und Mathias Balzer gegründet, mit Sitz in Chur und Basel. Der Verlag publiziert journalistische Texte, Essays, Biografien. Im Fokus stehen gesellschaftliche, philosophische und kulturelle Themen. Was damals als kleiner Verlag für die Herausgabe von Büchern und Filmen startete, ist mittlerweile gewachsen. Frida ist zu einem Pionierprojekt in der Schweizer Medienlandschaft geworden. Seit 2022 betreiben sie neben der Buch-Edition ein schweizweit beachtetes Online-Kulturmagazin, produzieren Podcasts und kreieren Veranstaltungen und Publikationen in Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen.

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